Wer Ohren hat, der höre!
In den Sommermonaten ernten wir die unterschiedlichsten Früchte. Dann wird deutlich, welche unsichtbare Kraft in den im Frühjahr gesäten Samen steckte. Diese Kraft ist ein Symbol für die geheimnisvolle Macht, die im Wort Gottes liegt. Darauf bezog sich Jesus, wie uns der Evangelist Matthäus berichtet:
„An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!“ (Mt 13,1-9)
Hier braucht es nicht viele Worte.
Die Einladung besteht vor allem darin, auf das Wort Gottes in uns selbst zu hören, das Wort Gottes in uns und um uns herum zu spüren. Es ist Gottes Wort, das unseren inneren Boden wie Schnee und Regen bewässert, damit der Samen bis zur Ernte wachsen und uns mit dem notwendigen Brot versorgen kann. Auf dieses Wort können wir uns stützen, es schenkt Leben und Zukunft.
Es ist Gottes Wort, durch das Gott nicht nur uns, sondern seinem ganzen Volk und sogar der gesamten Schöpfung ein Leben in unvergleichlicher Fülle verspricht. Wir können uns darauf verlassen, wenn wir mit den Schwierigkeiten des Alltags zu kämpfen haben, wenn wir vor wichtigen Lebensentscheidungen stehen, wenn sich uns unerwartet neue Horizonte eröffnen oder wenn wir vor plötzlichen Herausforderungen stehen, die uns unüberwindbar erscheinen.
Es ist Gottes Wort, das wir wie den Samen des Sämanns in unseren Herzen aufnehmen können - oder auch nicht, weil wir zu viel um die Ohren haben, weil unser Herz aufgrund von Sorgen verschlossen ist, weil es nicht so einfach ist, unsere Gedanken beiseite zu schieben, die sich ungeduldig in die Stille drängen. Dann fällt der Same ins Leere - auf den Weg, auf felsigen Boden, zwischen die Dornen.
Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um auf unsere inneren Regungen und Impulse zu hören. Können wir die Vögel, die Felsen, die Dornen, aber auch den fruchtbaren Boden unseres Lebens benennen? Sind es Menschen, Lebensumstände, unveränderliche Tatsachen? Was hält uns zurück, und was hilft uns?
Gott, es ist nicht leicht, auf dich zu hören - es ist nicht leicht, dich zu hören. Mögen wir diese Sommertage nutzen, um einen Moment lang mit größerer Aufmerksamkeit als sonst und ohne Belastungen innezuhalten. Mögen wir still werden und unsere Ohren, unsere Herzen für dein Wort öffnen - damit wir dich hören wollen.
Gott, du hast uns versprochen, dass dein Wort nicht fruchtlos zu dir zurückkehren wird, sondern dass es das erfüllt, wozu du es gesandt hast. Säe es auf den bereiten Boden unserer Herzen! Dann wird es, dann werden wir, Frucht bringen - dreißigfach, sechzigfach, hundertfach, denn Du wirkst in uns und durch uns, an allen Tagen unseres Lebens.