Sich der Führung Gottes überlassen

„Woran können wir uns eigentlich noch festhalten?“ Solche oder ähnliche Fragen hören wir immer wieder, wenn sich Menschen verloren fühlen. Wer sagt uns, wie unser Leben Sinn bekommt und gelingen kann? Woran können wir uns eigentlich noch festhalten? Das ist in der Tat eine Frage, die viele Christen und nicht nur sie beschäftigt. Und die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Auch die Jünger waren nach dem Tod Jesu verwirrt. Verängstigt und eingeschüchtert zogen sie sich zurück. Damals gab es viel mehr Fragen als Antworten. Worauf können wir uns eigentlich noch stützen? Das war sicherlich eine der wichtigsten Fragen.

Und dann geschieht das, worüber wir in der Apostelgeschichte lesen: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören. (…) Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden“
(Apg 2,1-8.9b).

Der Geist Gottes wacht sie auf, reißt sie aus ihrer Angst und Lähmung heraus und macht sie zu begeisterten und inspirierenden Jüngern, die die frohe Botschaft verkünden und den Menschen das Kommen einer neuen Ära verkünden. Sie erfahren: Wenn ich mich an den guten Geist Gottes halte, brauche ich mich vor nichts zu fürchten. Dieser Geist wird mich führen und leiten. Ich kann diesem Geist vertrauen und mich von ihm leiten lassen, selbst in den dunklen Momenten des Lebens. In diesem Geist werde ich den Weg zum Leben finden.

Wir können uns fragen: Woran erkenne ich Gottes Führung? Dazu sind einige Dinge erforderlich. Der erste Schritt besteht bereits darin, diese Frage zu stellen und nach dem Heiligen Geist in meinem Leben zu suchen. Ich vertraue darauf, dass ich, wenn ich lerne, auf die leise Stimme in meinem Herzen zu hören – die Stimme meiner Sehnsucht –, auf das Klopfen meiner Lebensfragen und auf das irritierende Wiederauftauchen immer wieder desselben Problems, auf die Spur des Heiligen Geistes und seiner Führung in meinem Leben komme. Das erfordert eine aufmerksame und bewusste Haltung mir selbst gegenüber.

Das klingt zwar einfach: sich der Führung Gottes anvertrauen. Aber es ist kein leichter Weg, sich vom Heiligen Geist führen zu lassen. Es ist der Weg zu einem intensiven spirituellen Leben. Genau dieser Weg führt mich in die Tiefe und Dunkelheit, in die Ängste und Zweifel meiner Existenz, damit ich daraus gestärkt und gefestigt hervorgehe. Oft entdecken wir diese Führung erst im Nachhinein, wenn wir zurückblicken.

Der Heilige Geist lädt uns alle zum Leben ein. Wir können uns an Ihn halten und uns Seiner Führung anvertrauen. Machen wir doch den ersten Schritt auf diesem Weg, damit wir Seine Nähe erfahren können. Auf die Führung des guten Heiligen Geistes kann ich mich verlassen!